Dietrich Kittner (1935–2013)

Schlagzeilen und nach den kleinen Ungerechtigkeiten des Alltags. Er war scharfsinnig, aufmüpfig, bissig, schlagfertig und gefürchtet. Seine Programme lebten von Schadenfreude und Betroffenheit, von genauer Beobachtung und sprachlicher Präzision.

Sketch, Parodie, Chanson, Ballade oder die Rolle des Nachrichtensprechers: Kittner beherrschte die unterschiedlichsten Formen des politischen Kabaretts.

Die Anfänge

Angefangen hat alles während seines Studiums der „Geschichten und Rechte“ in Göttingen. 1960 gründete Dietrich Kittner das Göttinger Studenten- und Dilettanten-Kabarett „Die Leid-Artikler“. Für das Ensemble schrieb und spielte er bis 1965 insgesamt acht Programme. Bereits 1961 meldete er seinen „Gewerbebetrieb für politische Satire“ an.

In Hannover gründete und leitete er im Laufe der folgenden Jahrzehnte gleich mehrere eigene Bühnen: das Kabarett Mehlstraße, das Kabarett club voltaire, das Theater an der Bult und schließlich das Theater am Küchengarten, kurz tak. 1993 trennte er sich vom tak und kehrte bis 2007 noch für Wintervorstellungen dorthin zurück.

Solokabarett und politische Einmischung

Seit 1966 stand Dietrich Kittner mit mehr als 30 Soloprogrammen auf der Bühne. Die Titel waren Programm: „Wollt Ihr den totalen Mief?“, „Das Vierte Reicht“, „Bürger hört die Skandale!“ oder „Sehr geehrte Drecksau!“.

Seine Solokarriere begann auf bemerkenswerte Weise. Während eines Protests gegen die sogenannten Notstandsgesetze wurde er in Hannover auf offener Straße verhaftet. Stahlhelm und Gasmaske gehörten dabei zur politischen Aktion.

Kittner trat nicht nur in der Bundesrepublik auf. 1987 und 1988 gastierte er unter anderem in den DDR Kabaretts Distel und Pfeffermühle. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Schallplattenpreis, den Deutschen Kleinkunstpreis und den Erich Mühsam Preis. 2006 wurde ihm ein Stern auf dem „Walk of Fame des Kabaretts“ in Mainz gewidmet.

Die Zahlen seiner Bühnenarbeit sind beeindruckend. Zwischen 1966 und 1996 absolvierte er jährlich zwischen 190 und 220 Soloauftritte.

Doch Dietrich Kittner verstand politisches Kabarett nie als reine Bühnenangelegenheit. Er mischte sich bei antifaschistischen Kundgebungen, Studentenprotesten, Festivals und anderen politischen Veranstaltungen ein. Seit 1998 war er Mitherausgeber und Autor der Zweiwochenschrift „Ossietzky“.

Im Fernsehen war er ab den 1970er Jahren nur noch selten zu sehen. Seine Haltung dazu brachte er selbst auf einen einfachen Satz: „Ich baue meine Bühne überall dort auf, wo man mich lässt.“

Vielleicht ist genau das der Grund, warum es am Hollerhof bis heute eine Probebühne gibt.