Christel Kittner (1938–2014)

Hinter Dietrich Kittner stand keine Frau, die einfach nur „hinter ihm“ stand. Christel Kittner war selbst ein entscheidender Teil dieses Lebenswerks.

Sie war von Anfang an dabei. Wenn Dietrich auf der Bühne stand, saß Christel am Licht- und Mischpult. Sie baute das Bühnenequipment mit auf und wieder ab, organisierte, plante, fuhr mit und sorgte dafür, dass die nächste Vorstellung überhaupt stattfinden konnte. Gemeinsam zogen die beiden von Bühne zu Bühne und von Stadt zu Stadt.

Kabarett war auch Christels Lebenswelt. Nur fand ihre Arbeit meist dort statt, wo das Publikum nicht hinsah.

Im Hintergrund und mittendrin

Christel Kittner war die Frau, die die Fäden zusammenhielt und gleichzeitig ihren eigenen Kopf behielt. Sie sagte, was sie dachte, widersprach, diskutierte, hörte zu, kritisierte und gab Anstöße. Auch mit Witz und Sarkasmus mischte sie sich ein und vertrat ihre politische Haltung mit derselben Konsequenz wie Dietrich.

Sie war seine engste Vertraute, seine wichtigste Kritikerin und diejenige, die ihn vermutlich am besten kannte. Dabei wäre es falsch, ihr Leben als bloße Unterstützung seines Lebenswerks zu beschreiben. Christel hatte ihren eigenen Zugang zu Politik, Kultur und Gesellschaft und prägte das gemeinsame Leben ebenso wie Dietrich.

Ohne Christel wäre vieles von dem, was unter dem Namen Dietrich Kittner bekannt wurde, nicht möglich gewesen.

Der Hollerhof

Nach den langen und anstrengenden Tourneen wurde der Hollerhof zu einem besonderen Ort für beide. Die Nähe zu Slowenien, die Landschaft und die Ruhe boten Abstand vom Bühnenbetrieb und zugleich neue Anregungen.

Auf der Veranda saßen Christel und Dietrich mit ihren Gästen. Menschen kamen und gingen, jüngere und ältere, bekannte und unbekannte. Entscheidend war weniger, wer jemand war, als ob etwas zu erzählen, zu diskutieren oder zu widersprechen war.

Der Hollerhof wurde damit zu einem Ort der Begegnung. Gespräche konnten bis tief in die Nacht dauern. Eine politische Haltung durfte man gerne mitbringen. Eine gute Lunge, Trinkerfahrung und Durchhaltevermögen waren ebenfalls nicht von Nachteil.

Die Sache mit dem Holler

Ihren Namen verdankt der Hollerhof auch Christel.

In jeder Ferienwohnung stand eine Flasche Hollunderblütensirup im Kühlschrank, neben Wasser, politischer Literatur und dem einen oder anderen guten Tropfen. Christels „Holler“ wurde legendär.

Mit Gartenarbeit oder großen kulinarischen Ambitionen hatte sie es dagegen nicht unbedingt. Aber was im Garten fast von selbst wuchs, konnte man schließlich verarbeiten. Viel lieber als in der Küche saß Christel mit ihrem „Jausenbier“ und einer Zigarette da, wo Gespräche stattfanden.

So wurde der Hollerhof zu einem Ort, der vieles miteinander verbindet: Bühne und Rückzug, Politik und Alltag, Arbeit und Ferien, Kultur und Geselligkeit.

Und vielleicht ist genau das bis heute ein Teil seines besonderen Reizes.